Jetzt wird es bunt – Wolle färben mit Ostereierfarben

Ich habe die letzten schönen Tage ausgenutzt und habe mich an meinen ersten Versuch gewagt Sockenwolle selbst zu färben. Ich hatte bei zwei Bloggerkolleginnen schon Beiträge dazu gelesen und auch in Sozialen Netzwerken das eine und andere Ergebnis selbst gefärbter Wolle gesehen.

Da einige schrieben es wäre so leicht Sockenwolle mit Ostereierfarben zu färben und so begeistert von dem Ergebnis waren, wollte ich es selbst mal ausprobieren.

Nach meiner großen Sockenstrickaktion und dem erfolgreichen Minimieren meines Sockenwollvorrates waren vier kleine Knäule á 50 Gramm übrig geblieben, bei denen ich mir sicher war, das ich sie so in der Farbe nicht verarbeiten werde.  Vom letzten Ostereier färben war noch Farbe übrig und Essig hatte ich auch im Haus. Also war alles da was ich brauchte.

Noch mal schnell ein, zwei Sachen nachgelesen und auf einem Spickzettel notiert und los ging es:

Als erstes mussten die ordentlich gewickelten Knäule in Stränge umgewandelt werden. Da ich (noch) keine Wollhaspel habe, dachte ich mir recht naiv das mein Kind mir ja helfen könnte. Also Kind gefragt ob es mir helfen will, Kind sagt genervt „Wenn es sein muß!“ (Kind ist 14 Jahre alt und im Moment nervt alles *seufz*) und setzt sich widerwillig auf das Sofa und läßt sich von mir erklären was es machen soll.

Plan war, das das Kind seine Arme hochhält und ich zwischen den beiden Handflächen wickeln kann. So wie ich es von früher her kannte wenn meine Oma mich gebeten hatte ihre Wolle zu halten damit sie sie aufwickeln konnte. Nur eben genau umgekehrt. Also anfangen mit wickeln. Kind ist genervt , fragt mich wie lange das den dauern soll und jammert das die Arme schwer werden. Das ging ja schon wieder gut los! Ich sage dem Kind das es die Arme ja aufstützen kann, dann ist es leichter. Es geht weiter. Kind wird zunehmend genervter. Die  Arme  werden wohl recht lahm den die Arme wandern immer mehr zusammen und ich bekomme keinen gleichmäßigen Strang sondern ein Wolletwas bei dem ich aufpassen muss das es nicht noch mehr vertüddelt.

Nach dem ersten Knäul hat das Kind keine Lust mehr mir zu helfen und ich sehe ein, das die Idee auch nicht so gut war.  Für die restlichen drei Knäule habe ich mir dann einen kleinen Hocker umgedreht und die Wolle um die Beine des Hockers gewickelt. (Das hätte ich gleich machen sollen, hätte mir und dem Kind eine Menge Nerverei erspart!)

Die linken drei Stränge auf dem Bild sind die „ordentlich“ um die Hockerbeine gewickelten. Das in orange ist das erste Wolletwas.

Die Wolle kam nun im zweiten Schritt in ein Wasser-Essig-Bad um sie für die Farbaufnahme vorzubereiten. Mein Mischungsverhältnis betrug 3 EL Essig auf 2 L lauwarmes Wasser. Die Wolle saugt sich langsam mit der Flüssigkeit voll. Angeblich soll es  nicht schneller gehen wenn man die Wolle beschwert und unterdrückt, die Wolle braucht halt so lange wie sie eben braucht. (ich habe die Zeit nicht gemessen)

In der Zeit in der die Wolle sich vollsaugt hatte ich Zeit meine Küche und die Farben vorzubereiten.

An dieser Stelle zwei Hinweise:

  1. Wer schon mal mit Essig oder Essigessenz  gearbeitet hat weiß das es sehr unangenehm riechen kann. Wenn man nicht möchte das hinterher die ganze Wohnung nach Essig riecht sollte man für eine gute Belüftung sorgen.
  2. Auf jeden Fall die Hände mit Handschuhen aus Latex oder Gummi schützen! Essig greift die Haut an, auch wenn man sonst nicht so empfindlich ist kann es unangenehm werden. Richtig fies ist es wenn man kleine Wunden an der Hand haben sollte, da reicht schon ein winziger Schnitt den man sonst gar nicht so wahr nimmt.

Ich hatte vom letzten Ostereierfärben noch Farbe übrig, die habe ich wie auf der Verpackung beschrieben fertig gemacht.

Nachdem die Wolle sich mit dem Wasser-Essig-Gemisch vollgesogen hatte kam nun der nächste Schritt: Wolle aus dem Bad nehmen und vorsichtig ausdrücken. Nicht wringen, da sich sonst die Wolle verfilzen kann!

Die Wolle habe ich mit zwei verschiedenen Techniken eingefärbt:

  1. Die beiden wollweißen Wollstränge habe ich auf ein Backblech gelegt und mit einem Teelöffel kleine Mengen der Farbe auf der Wolle verteilt. Das sah dann wie gesprenkelt aus. Den Strang habe ich umgedreht und etwas auseinander gezogen damit alle Fäden mit Farbe versehen werden konnten.
  2. Den beigen und den orangenen Wollstrang habe ich stellenweise in die Farbe getaucht. Einige Stellen habe ich mit zwei Farben doppelt eingefärbt.

Nach dem Einfärben kam nun das Fixieren der Farbe. Das Fixieren, so stand es in allen Anleitungen die ich gelesen hatte, soll über Erhitzen der Wolle geschehen. Das kann man im Backofen oder in der Mikrowelle machen. Ich habe mich für eine Fixierung in der Mikrowelle entschieden weil dies sehr viel schneller geht.

Für das Fixieren den Wollstrang in ein Mikrowellen geeignetes Gefäß legen und das Ganze mit Frischhaltefolie abdecken. Ich habe um sicher zu gehen die Folie zweimal um die Schale gewickelt.

In einer Anleitung die ich gefunden hatte, hieß es die Wolle solle bei 800 Watt 2-3 Minuten erhitzt werden. Da meine Mikrowelle nur eine maximale Leistung von 700 Watt hat habe ich die Wolle bei 700 Watt für 5 Minuten im Gerät gelassen.

Beim entnehmen des Gefäßes bitte vorsichtig sein! Es ist sehr heiß! (was man sich ja eigentlich denken kann, aber es sei trotzdem hier noch einmal erwähnt!) Ich habe die Schale einige Minuten abkühlen lassen.

Beim entfernen der Folie sollte man auch vorsichtig sein, der Dampf der eventuell entweicht besteht ja nicht nur aus Wasser sondern hat noch etwas Essig mit beigemischt und es ist wirklich nicht lustig das ins Gesicht zu bekommen.

Ich weiß wovon ich spreche, beim ersten Fixieren konnte ich es nicht abwarten, habe die Folie zu schnell abgezogen und habe den Dampf ins Gesicht bekommen.

Wie heißt es so schön : „Der kluge Mensch lernt aus seinen Fehlern, der Weise aus den Fehlern Anderer und der Narr gar nicht!“

Im nächsten Schritt wird die gefärbte und fixierte Wolle einmal ordentlich durchgewaschen damit Essig und evtl. Farbreste ausgewaschen werden. Bei mir ist beim Waschen das Wasser farblos geblieben, da scheint die Fixierung wohl geklappt zu haben.

Nachdem die Wolle wieder trocken war, kam die letzte Herausforderung : Aus dem Strang sollte nun wieder ein Knäul werden. Die Stränge habe ich nicht wieder über die Hockerbeine bekommen. Also habe ich wieder das Kind gefragt ob es helfen kann.

Die Begeisterung hielt sich wie bei meinem ersten Fragen in Grenzen. Nachdem ich zigmal versprochen hatte, das das Kind keine Wolle halten müsse sondern nur an der Kurbel des Wollwicklers drehen soll, ging es dann los. Das Kind war nun nicht besonders motiviert, da es auch nicht so zügig voran ging mit dem Wickeln wurde es dann sehr schnell langweilig.

„Kann ich nicht nebenbei auf meinem Handy Youtube schauen? “

Was für eine Frage!

Um es kurz zu fassen: Wollstränge aufzuwickeln ist nicht meins! Bei ordentlich gewickelten Strängen, die sich gut aufwickeln lassen finde ich es schon mühsam und nervig, wenn man dann aber wie in diesem Fall nicht ganz so ordentlich gewickelte Stränge hat, macht mir das Aufwickeln keinen Spaß.

Ständig mussten wir mit dem Wickeln anhalten um Knoten und Vertüddelungen zu entwirren. Das Kind hat es übrigens wirklich geschafft mir der einen Hand den Wickler zu drehen und mit der anderen Hand das Handy zu halten.  Nach einer wirklich nervenaufreibender Zeit (fürs Kind genauso wie für mich) lagen endlich vier kleine gewickelte Knäule vor mir.

Mein Fazit:  Ich bin froh das ich es ausprobiert habe. Die Materialien sind wenn man sie nicht eh schon im Haus hat, leicht und günstig zu besorgen . Jeder/jede, der/die mit Ostereierfärben zurecht kommt kann auch Wolle färben, das Färben fand ich relativ einfach. Ich bin froh das ich aus der Wolle, die ich nicht so schön fand nun doch sehr ansprechende Wolle bekommen habe. Selbst das Orange das mir vorher überhaupt nicht gefiel, gefällt mir jetzt richtig gut und ich bin sehr gespannt wie die Wolle verarbeitet aussieht!

ABER: Es wird nicht mein Hobby werden ! Einmal Wolle färben hat mir gereicht. Für mich ist dieses ganze Wickeln am Anfang und Ende nichts.

Da soll Handarbeiten doch entspannen. Nach der Aufregung muss ich erst mal Tee trinken und stricken ! 🙂

Was lange währt…..

….wird endlich fertig!

Dieses wird mein dritter Beitrag über meinen Resteteppich und auch der letzte, denn ich bin mit meinem Projekt endlich fertig! Hurra!

Über einen Zeitraum von nicht ganz zwei Jahren habe ich immer wieder an meiner Prym-Strickmühle gesessen und fleißig gekurbelt. Verarbeitet habe ich meine Sockenwollreste und Sockenwollreste von Bekannten. Ebenso habe ich Stopfwolle (doppelt bzw. dreifach gelegt) und kleinere Mengen von Garnresten in der passenden Stärke verarbeitet. Am Anfang war es noch recht spannend aber zum Ende hin war ich die ganze Kurbellei doch ziemlich leid.

Ich habe die Strickmühle mit einer Klemme am Tisch befestigt und so konnte ich zwischendurch immer mal wieder aufstehen und was anderes machen.

Zu wissen das ich dabei bin die letzten Reihen zu stricken,war schon ein tolles Gefühl. Wenn man so lange an einem Projekt arbeitet ist man zum Schluss doch froh wenn man endlich fertig ist.

Da sich der gestrickte Teil an den Kannten etwas eingedreht hat, habe ich um das ganze Strickteil noch einen Rand aus 4 Reihen Stäbchen gearbeitet.

Hier einige Daten:

Der Teppich ist 112 cm breit und 182 cm lang. Der gehäkelte Rand ist 10,5 cm breit. Stricknadeln und Häkelnadel hatten die Stärke 10. Der Teppich wiegt 3,6 Kilo (wenn ich meiner Waage glauben darf) das entsprich 36 x 100 g Sockenwolle. Das sind dann etwas über 15.000 Meter verarbeitetes Garn.

Die Bilder habe ich im Zimmer meines Sohnes gemacht. Die Katze des Hauses musste natürlich auch gleich kommen und kucken was ihr „Personal“ da oben auf dem Stuhl den so treibt.

Und diesen ganzen Aufwand wegen so einem buntem Ding konnte sie garn nicht so richtig verstehen. „Wieso darf ich nicht auf dieses bunte Ding? Da habe ich noch keine Haare von mir drauf verteilt, das muss ich sofort erledigen!“

„Nun streichel mich endlich! Ich bin ja wohl viel wichtiger als dieses bunte Ding!“  Typisch Mensch- hier werden eindeutig die falschen Prioritäten gesetzt. 😉