„Ordnung ist das halbe Leben“ oder „Mein neuer Blick auf die Dinge“

Mein letzter Beitrag ist nun schon wieder etwas länger her. Mit dem Blick auf das Datum bekam ich einen Schreck – wie schnell ist doch die Zeit schon wieder an mir vorbeigerauscht.

Ich bin aber nicht untätig gewesen in der vergangenen Zeit.

Ganz im Gegenteil: bevor meine Vorlesungen wieder losgehen, wollte ich meine Wohnung auf Vordermann gebracht haben. So habe ich die vorlesungsfreie Zeit dazu genutzt meine Wohnung komplett auf links zu drehen und mal wieder ordentlich auszumisten.

In meinen Auszeiten ( man muss sich ja auch mal von der Arbeit erholen) habe ich fleißig gehäkelt und daran gearbeitet meine UFO´s abzuarbeiten.

Was das Aufräumen angeht hat ja jeder/jede so seine/ihre eigene Strategien und Vorgehensweisen.

Ich selbst habe schon unterschiedliche Methoden ausprobiert. Ende 2012 hatte ich schon einmal meine ganzen Sachen durchgesehen. Es war spannend, wenn einem Dinge in die Hände fallen, die schon seit Jahren nicht mehr das Tageslicht gesehen haben. Ich habe mir damals Zimmer für Zimmer vorgenommen und habe wirklich jeden Schrank und jede Schublade, jede Kiste und jeden Kasten aufgemacht und durchgesehen.

Ich war damals schon sehr rigoros mit dem Ausmisten: einiges wurde verkauft oder verschenkt, anderes bei einem Tauschforum getauscht, einiges wanderte auch in die Tonne.

Am Ende meiner Aktion hatte ich wieder einen genauen Überblick darüber, was mein Sohn und ich eigentlich so alles besitzen.

Kurz nach dieser Ausmiste-Aktion hatte ich ein neues Projekt: ich wollte unseren Haushalt einem Plastik-Entzug unterziehen. Nachdem ich den Film „Plastic Planet“ von Werner Boote gesehen hatte, war ich noch mehr darüber entsetzt, was wir modernen Menschen doch an Unmengen von Kunststoffmüll produzieren, als ich es vor dem Film schon war.

Ganz zu Recht spricht er in seinem Film vom Plastikzeitalter.

Ich habe mich nach dem Film noch mehr damit beschäftigt wie ich Plastikmüll vermeiden kann und so bin ich bei meinen Recherchen auf das Buch „Plastikfreie Zone“ von Sandra Krautwaschl gestoßen.

Die Lektüre des Buches war spannend, informativ und unterhaltsam zugleich.

Mir war allerdings gleich klar das ich nicht so konsequent bin wie Frau Krautwaschl und das ich nicht alles aus Kunststoff aus meinem Haushalt verbannen kann bzw. will.

Mein Sohn (damals 9 Jahre alt) fand mein Vorhaben am Anfang sehr gut.

Kunststoff zu vermeiden und weniger Müll zu produzieren fand er wichtig und ich hatte seine volle Unterstützung. Allerdings nur so lange bis ihm klar wurde das sein geliebtes Playmobil und Lego ja auch aus Kunststoff ist und er Angst bekam, das das nun auch weg sollte.

Ich habe ihn beruhigt und ihm natürlich sein geliebtes Spielzeug gelassen. Mir ist damals zum ersten mal so richtig bewusst geworden wie viel Kunststoff die Kinder heute in ihren Zimmern so um sich haben.

Im Rückblick kann ich sagen das es im Küchenbereich und im Badezimmer am einfachsten war die Plastiksachen zu entsorgen oder gegen plastikfreie Alternativen auszutauschen. Das Kinderzimmer ist auch nach ordentlichem Ausmisten immer noch das Zimmer in unserem Haushalt in dem das meiste Plastikzeugs zu finden ist.

Nach diesen beiden Aktionen war unser Haushalt in einem „normalen“ Zustand.

Wobei sich hier die Frage stellt was ist „normal“? Jeder/jede hat so seine/ihre eigenen Bedürfnisse und wie ein Zuhause sein muss damit man sich wohl fühlt, ist von Person zu Person unterschiedlich.

(mein vorpubertärer Sohn hat da völlig andere Vorstellungen als seine erwachsene Mutter seufz)

Ich bin ein Mensch, dem Extreme nicht so liegen. Darum fühle ich mich auf Dauer weder in einer total aufgeräumten und steril sauberen, noch in einer sehr überfüllten und zugestellten Umgebung wohl. Ich bevorzuge so das Mittelmaß – mein persönliches Maß an kreativem Chaos.

Als kreativer Mensch der nebenbei auch einen leichten Hang zum Sammeln hat, ist es immer wieder eine Herausforderung für mich die Dinge, die ich besitze so zu ordnen, das alles seinen Platz hat.

Meine Großmutter sagte immer „Ordnung ist das halbe Leben“ und ich habe dann in meiner pubertären Phase immer geantwortet: „Ja, und Unordnung die andere Hälfte! „ 🙂

Eines ist mir nach der ganzen Zeit, in er ich auf der Suche nach dem für mich optimalsten Aufräumsystem war, klar geworden:

Wenn alle Sachen in meinem Umfeld ihren festen Platz haben ist das Aufräumen ganz leicht, denn man braucht die Dinge nur wieder dort hinbringen wo sie hingehören.

Wenn aber zu viele Dinge auf zu kleinem Raum vorhanden sind, und keinen festen Platz haben kann man gar nicht richtig aufräumen. Weil die Gegenstände einfach immer nur von dem einen Platz zum nächsten wandern und immer irgendwo im Weg sind.

Das Entscheidende ist also jedem Ding seinen festen Platz zu geben.

Das klingt leichter als es ist.

Gerade weil wir in der heutigen Zeit doch ein ganz anderes Konsumverhalten haben als die Generationen vor uns. Ich habe mich selbst nie als besonders kauflustig gesehen, aber auch in unserem Haushalt war es lange Zeit so, das mehr neue Dinge in die Wohnung kamen als Dinge wieder hinaus wanderten. Bei der großen Anzahl an Sachen, die man dann so im Laufe seines Lebens anhäuft ist es dann nicht immer so leicht einen Platz für alles zu finden.

Nachdem bei uns in der Wohnung alles immer übersichtlicher wurde, musste ich mich ab Herbst 2014 daran machen den Hausstand meiner Großtante aufzulösen. Sie hatte so lange es eben ging in ihrem eigenen Haus gelebt. Aber irgendwann ging es nun leider nicht mehr alleine und sie zog in eine Seniorenheim.

Ich hatte zum Glück viel Zeit für diese Aufgabe und da es mir wichtig war alles was weg sollte auch „ordentlich„ zu entsorgen habe ich diese Zeit auch gebraucht. Da zwischen den beiden Haustüren auch noch eine Distanz von gut 270 Kilometern lagen ist schon für die Fahrerei eine ganze Menge Zeit draufgegangen.

Wenn ich heute so zurückblicke muss ich sagen, das Einfachste, Schnellste und Nerven schonenste wäre gewesen, ich hätte alles was wichtig ist aus dem Haus geholt und dann einen Entrümpler bestellt.

Aber ich weiß wie diese Leute arbeiten und was mit den Sachen passiert. Zum einen wusste ich das diese Vorgehensweise nicht im Sinn meiner Großtante gewesen wäre und zum zweiten entsprach es auch nicht meiner Lebensphilosophie.

Wie ich schon schrieb, ich hatte zum Glück genügend Zeit dafür zu sorgen das so viele Sachen wie nur möglich einen neuen Besitzer bekamen.

Im Sommer 2016 verstarb meine Großtante und das Haus musste verkauft werden. Ich habe dann nochmal einen Endspurt eingelegt und das Haus fertig entrümpelt.

Während dieser ganzen Zeit ist wieder eine ganze Menge an Dingen in unseren Haushalt gewandert. Jedes mal wenn ich dort vom Hof fuhr war das Auto voll.

Da sind zum einen die Dinge, die ich wirklich selber haben wollte weil sie schön sind und mich an meine Tante erinnern, oder die Dinge die praktisch sind oder die Dinge, die man selber zwar nicht braucht, die aber zum wegwerfen einfach zu schade sind.

Zum Schluss sind da leider auch noch die ganzen übriggebliebenen Teile, die einfach aus dem Haus müssen.

So füllten sich leider zunehmenden nicht nur meine Wohnung, sondern auch meine beiden Kellerräume.

In all der Zeit in der ich mich nun mit dem Entrümpel und Ausmisten beschäftigt habe, habe ich sehr gerne nach der „simplify your life“ Idee gearbeitet.

Bis Anfang des Jahres bin ich sehr rational und funktional an die Sache rangegangen.

Dann ist mir in meinem Lieblingsbuchladen das Buch von Marie Kondo „Magic Cleaning – wie richtiges Aufräumen ihr Leben verändert“ förmlich in den Schoß gefallen.

Ich hatte vorher schon von der KonMari-Methode gehört und auch auf YouToube kürzere Filme mit ihr gesehen.

Ich habe mir das Buch gekauft. Es ist meiner Meinung nach recht leicht und locker geschrieben und lässt sich recht entspannt lesen.

Ich möchte hier keine komplette Buchbesprechung abhandeln ,darum nur in Kürze:

Mit einigem was Frau Kondo schreibt kann ich nicht so wirklich was anfangen. So schreibt sie, z.B. das sie ihr Haus begrüßt (das ist mir etwas zu esoterisch).

Auch stößt es bei mir etwas negativ auf, das sie in ihrem Buch immer nur vom Wegwerfen spricht.

Wörter wie : spenden, verschenken, upcyclen oder recyclen finden man in dem ganzen Werk nicht.

Es wird immer nur betont wie viel ihre Klienten wegwerfen.

Frau Kondo bringt mich aber mit ihrem Buch auf eine für mich neue Angehensweise in punkto ausmisten:

Die emotionale Ebene hatte ich bis dahin nie so richtig beachtet. Ich hatte zwar Dinge aufgehoben an denen mir etwas liegt, aber das war es dann auch.

Die Vorgehensweise sich bei jedem einzelnen Teil zu überlegen ob es einen wirklich glücklich macht, war mir neu.

Also ab in eine neue Ausmiste-Runde 🙂 dieses mal nicht nur mit der Frage:

„Brauche ich das wirklich?“ sondern auch „Macht mich dieser Gegenstand glücklich?“

Nach etwa einem halben Jahr mit der KonMari-Methode ziehe ich nun Bilanz:

Das Aussortieren nach dem Gesichtspunkt „Macht mich das Glücklich?“ hat mir geholfen mich in sehr schneller Zeit von vielen Dingen zu trennen.

Ich hatte etwas Anlaufschwierigkeiten. Aber je länger ich dabei bin, je leichter fällt es mir bei jeder einzelnen Sache diese Frage zu stellen und dann danach zu entscheiden.

Manchmal tat es schon etwas weh!

Ich finde beim Aufräumen setzt man sich auch immer mit sich und seinem bisherigen Leben auseinander.

Es wurde mir klar, wie viel Geld ich in Dinge gesteckt habe, die ich dann meist aus Zeitmangel nie benutzt habe.

Nach einem halben Jahr mit der KonMari-Methode ist mein Keller fast leer und in der Wohnung ist es wieder viel übersichtlicher geworden.

Was für mich viel wichtiger ist als eine aufgeräumte Wohnung:

In jedem Bereich meines Lebens hat sich seitdem ein positiver Wandel vollzogen. Mein Blick auf die Dinge hat sich gewandelt.

Bei meinem bisherigen Blick ging es darum was ist alt und kaputt? Wovon haben wir zu viel? Was muss weg weil es immer im Weg steht? Was ist mit negativen Erinnerungen verbunden?

Danach wurde dann entsorgt und der Rest blieb eben im Haus. Das Resultat war dann zwar positiv aber der Blick auf die Dinge ist ein anderer gewesen als ich ihn jetzt habe.

Jetzt entscheide ich mich bewusst für das, was mich wirklich glücklich macht. Aus einem Haufen von Dingen wird das Positive rausgesucht und der Rest kommt dann weg.

Ich bin heute mit viel weniger zufrieden und von dem was ich bis jetzt weggegeben habe vermisse ich nichts.

Ich denke beim einkaufen viel häufiger daran, das ich ja eigentlich alles habe was ich brauche und kaufe viel weniger.

Das was übrig geblieben ist kommt viel mehr zur Geltung.

Loslassen fällt mir immer leichter.

Alles was diesen Haushalt verlassen hat, hat auch wieder Raum geschaffen für Neues.

Bei all den Dingen die unsere Wohnung verlassen haben, war auch mein „Wollmonster“. Mit dem Stricken hatte ich schon 2010 angefangen. Da ich es immer wieder zur Seite gelegt hatte (um an anderen Ideen zu arbeiten) war es erst Anfang 2012 fertig. Mit 24 Knäulen und guten 1560 Metern hat es schon eine ganze Menge Wolle verschlungen. Ich habe mir das gute Stück dann auch noch gefüttert. Dafür musste eine farblich passende Wolldecke dran glauben. Diese Jacke war ein richtiges Ungetüm, eine Masse an Gemütlichkeit und ich konnte mich so richtig in sie hineinkuscheln. Schön weite Ärmel, eine große Kapuze und zwei große Taschen das ganze so weit das man auch noch einen dicken Pullover hätte drunter anziehen können.

Mit der Zeit ist sie durchs häufige Waschen leider so richtig verwaschen gewesen und das gestrickte Stück ist leider mehr ausgeleiert als das Futter.

Nun gehen mein Wollmonster und ich seit kurzem getrennte Wege. Wir passten nicht mehr so richtig zusammen. Ich habe seit Anfang des Jahres etwas über 10 Kilo abgenommen und das, was ich am Anfang an meiner Jacke als kuschelig und heimelig empfunden hatte, war am Ende ehr schwer und belastend. So habe ich mein Wollmonster in die Freiheit entlassen, mir bleiben die Erinnerungen an viele schöne gemeinsame Stunden auf dem Sofa.

 

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