Woll-Stash, Wolldiät und Familientraditionen…..

Drei anstrengende Wochen liegen hinter  mir. Die fiese Grippewelle die gerade umgeht hat auch unseren Haushalt erwischt. Erst lag mein Sohn krank im Bett und ich habe die Krankenschwester gespielt und dann hatte es mich voll erwischt. Wenn es Dich so erwischt hat, das Du am liebsten nur noch schlafen willst und zu nix mehr Lust hast ist das schon blöd. Wenn bei mir nicht mal mehr Wolle, Häkeln und Stricken hilft dann geht es mir wirklich richtig mies.

Aber das ist zum Glück gut überstanden. Mein Sohn geht schon wieder in die Schule und bei mir regen sich die Geister auch so langsam wieder. So wird es Zeit sich mal vor den Rechner zu setzten und zu berichten was sich in meiner kleinen Handarbeitswelt so tut:

Es ist jetzt gut ein Jahr her, das ich mein Woll-Stash in Ordnung gebracht habe. Was ist seit dem passiert?

Erst einmal ein kleiner Rückblick:

Anfang 2017 hatte ich angefangen meinen Haushalt sehr gründlich aufzuräumen und auszumisten. Darüber hatte ich im Oktober 2017 schon einmal berichtet. In diesem Zusammenhang habe ich auch meine ganzen kleinen Wolllager und Wollverstecke aufgelöst. Ich muss gestehen das ich in den letzten Jahren sehr gerne Wolle gekauft habe. Wollgeschäfte und Buchläden üben da eine magische Anziehungskraft auf mich aus, der ich mich meist nicht entziehen kann. Ich weiß genau, das ich genügend Bücher stehen habe die ich noch nicht gelesen habe und ich weiß genauso gut wie viel Wolle ich habe, die noch nicht verarbeitet ist.

Aber das wurde bei meinen Käufen immer sehr erfolgreich ausgeblendet. Bei meinen Käufen habe ich meist im Laden schon so ein/zwei Ideen was aus dem Material entstehen könnte. Zu Hause erfreute ich mich dann beim Auspacken und Wegpacken der Wolle nochmal an ihr und dann lag sie meist recht lange im Wolllager.

Bei meinem radikalen Aufräumen und Ausmisten ist mir dann richtig bewusst geworden wie viel ich habe. Die meiste Wolle lagerte in Regalen in meinem Schlafzimmer. Kleinere Mengen fanden sich dann noch in Kästen im Wohnzimmer und im Zimmer meines Sohnes (dort steht unser großer gemeinsamer Kleiderschrank in dem ich so einige UFOs und Wolltüten fand).

Um den genauen Überblick zu bekommen habe ich erst mal alles was ich an Wolle hatte auf meinem Bett zurechtgelegt. Neben mein Bett hatte ich einen großen Wäschekorb gestellt in den gleich die ausrangierte Wolle kam und einen großen Karton in den die UFOs wanderten. (Die damals zusammengetragenen UFOs sind mittlerweile alle entweder aufgeribbelt oder fertig gearbeitet! )

Was habe ich alles an Wolle aussortiert?

Fehlkäufe aus Sonderangeboten, Fehlkäufe aus Katalog- oder Internetbestellungen bei denen man die richtige Farbe erst zu Hause sieht und auch kleinere Mengen bei denen es gerade mal für eine Mütze oder Schal gereicht hätte und Wolle, die mir nicht mehr gefiel.

Bei meinem Ausmisten ist mir eines klar geworden: Wolle hält sich sehr lange, wenn sie gut eingepackt ist und lichtgeschützt und mottensicher gelagert sieht sie nach Jahrzehnten noch gut aus ABER MAN SELBST VERÄNDERT SICH MIT DER ZEIT.

Hierzu ein kleines Beispiel: Ich fand vor zehn Jahren gestrickte Socken mit Streifen total toll. Damals habe ich viel Sockenwolle gekauft die in ihrem Farbverlauf diese Streifen ergibt. Heute habe ich erst mal genug von Ringelsocken und ich würde ganz andere Sockenwolle kaufen. In meinem Lager befanden sich aber noch gut 10 Knäule mit Streifenmusterfarbverlauf.

Ein zweites Beispiel: mit Anfang zwanzig habe ich bei meinen Wollkäufen überwiegend auf den Preis geschaut und habe Wolle geliebt die total weich und flauschig ist. Das war dann meist Wolle mit einem sehr hohen Anteil an Polyacryl. Seit einigen Jahren kaufe ich aber immer mehr hochwertige Wolle mit viel Seiden- und Wollanteil  oder aus reiner Wolle und ich schaue sehr viel genauer wie die Firmen produzieren.

Wie gesagt: Die Wolle ändert sich nicht aber der Mensch, der sie gekauft hat.

Ich habe Anfang 2017 alles an Wolle aussortiert was nicht mehr zu mir passte. Aus einem großen Teil dieser Wolle habe ich Schals für die Aktion „Wir häkeln für den Weltrekord“ gemacht. Ein Teil habe ich in einem Tauschforum getauscht und ein anderer Teil ist zu dem Kindergarten bei uns im Ort gewandert. Die hatten sich sehr gefreut als ich mit einer großen Tüte mit Wolle, Knöpfen und anderem Bastelmaterial bei ihnen auf der Matte stand.

Die Wolle und Garne, die ich noch verarbeiten wollte habe ich ordentlich in meinem Schlafzimmer verstaut und zwar NUR in meinem Schlafzimmer. Die ganzen kleinen Wolllager die vorher in der ganzen Wohnung verteilt waren gibt es nicht mehr!

Bei diesem ganzen Prozess ging es mir recht gut. Der Wollballast ist verschwunden und hat Platz gemacht für neues.

Der Platz den ich dadurch gewonnen habe ist dann sehr schnell wieder mit Neukäufen aufgefüllt worden. 🙂 Ich habe im letzten Jahr die handgewickelten Bobbel für mich entdeckt. Im Sommer – Herbst sind dann auch einige schöne Tücher entstanden. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

Mit dem was ich jetzt hier an Wolle liegen habe könnte ich  gut die nächsten zwei Jahre auskommen ohne das ich neues Garn nachkaufen müsste. Ich weiß es gibt Handarbeiter*innen die noch sehr viel mehr an Wollvorräten ihr Eigen nennen können, aber für mich war jetzt eine Grenze erreicht bei der ich die Einkaufsbremse ziehe.

Ich habe mir Anfang 2018 eine Wolldiät verordnet. Das bedeutet jetzt nicht das ich gar keine Wolle mehr kaufen darf (dann wäre es ja Wollfasten und nicht Wolldiät 😉 ), sondern das ich bewusst die Wolle kaufen möchte, die ich für bestehende Projekte noch brauche oder bei der ich ganz genau weiß was daraus gemacht werden soll und ich möchte mehr Wolle wegarbeiten als ich neu dazukaufe. Wir werden sehen wie ich das dieses Jahr umsetzen kann, bis jetzt läuft es ganz gut!

Da ich so viel Sockenwolle in meinem Vorrat hatte, kam  mir Ende 2017 die Idee, diese wegzuarbeiten und mehr zum Thema Socken zu machen. Aber trotz fleißigem Socken stricken und Puschen häkeln schien das Sockenwolllager nicht weniger zu werden.

Ich habe mich Anfang Februar dann an ein neues Projekt gewagt und aus Sockenwolle und einem Polyacrylgarn eine Tagesdecke gehäkelt.

In der Mitte der Decke habe ich mit den kleinen Resten angefangen, die ich noch hatte und habe dann später die 100g Knäule verarbeitet. Dabei habe ich schon geschaut das es mit dem Farbverlauf möglichst harmonisch wirkt. Gearbeitet ist ganz einfach in Runden im Muster „Granny Square“.

An Material habe ich insgesamt 2 Riesenknäule Polyacrylgarn in einem hellen Vanilleweiß und 12 Knäule Sockenwollgarn verarbeitet das sind zusammen 8810 Meter Garn. Die Decke hat ein Gewicht von 2,5 Kilo und passt so mit der Größe noch gut in die Waschmaschine.

Meine Tagesdecke hat nach dem Waschen und Spannen (soweit das bei einer Decke in der Größe möglich war) eine Größe von ca. 2,16 x 2,16 m und passt so ganz gut auf mein 1,40 m breites Bett.

Wie viel Stunden Arbeit ich in die Decke gesteckt habe kann ich nicht sagen. Ich habe als ich bei einer Seitenlänge von 1 m war mal die Zeit gestoppt und bei 1 m Seitenlänge und somit 4 m Rundenlänge habe ich etwa 45 Minuten gebraucht. Ich kann nur eines Sagen : das Häkeln dieser Decke hatte einen hohen Suchtfaktor- bei dem einfachen Muster war das reinste Meditation. Ich habe als ich angefangen hatte jede freie Minute in diese Decke gesteckt.

Letztes Jahr hatte ich ja schon mal aus Wollresten eine Decke gehäkelt (Beitrag vom 28.Oktober 2017) aber eine so große Decke ist für mich jetzt Premiere und damit führe ich eine Familientradition fort. Bereits meine Mutter und Großmutter waren so fleißig das sie so große Tagesdecken gehäkelt haben. Meine Mutter hatte im Alter von 23 Jahren schon zwei  2 x 2 Meter Tagesdecken fertig gearbeitet.

Ich hatte mir schon länger eine große Tagesdecke für mein Bett gewünscht und habe mir mit dieser Arbeit nun diesen Wunsch erfüllt ohne das ich dafür neues Material kaufen musste.  

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